Wozu brauchen wir Fiktionen des Fluiden? Ein Aufruf

19531_1 Allein der Stadtkern ist übriggeblieben, wo der Fernsehturm auf dem Alexanderplatz steht. Die Schienenstränge des S-Bahnhofs nehmen dort ihren Lauf, um jäh im Dickicht des Regenwalds zu versinken. Ist das jetzt Berlin nach der Flut oder schon das Paradies? Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen. Das Kampagnenmotiv der Berliner Morgenpost – im Jahr 2005 in ganz Berlin präsent  – kam mit einem eindeutigen Slogan in Umlauf: “Berlin wird Steuerparadies”. In diesem Steuerparadies sind Wedding, Marzahn, Charlottenburg, sowie alle anderen Berliner Bezirke in den Untiefen des Ozeans verschwunden. In der blau schimmernden Waterworld konnten nur wenige Menschen überleben. Eine Elite, die einen Platz an der Sonne gefunden hat.

Vier Jahre später wirkt dieses Kampagnenmotiv ungewollt prophetisch. Die Weltwirtschaftskrise ist über den Planeten gleich einer Flut hereingebrochen und nur wenige Menschen konnten sich auf Inseln retten. Vor diesem Hintergrund muss das Motiv heute einer Neubewertung unterzogen werden, so wie auch andere Motive, die mit Metaphern des Fluiden arbeiten, neu betrachtet und kritisiert werden sollten. Gestern priesen sie quasi unterhinterfragt flexible, gleichsam flüssige Verhältnisse im globalen Kapitalismus. Heute fragt sich mehr denn je: Wie flüssig darf unsere Welt werden? Wieviel Halt brauchen wir? Wieviel Struktur? Das Berliner Gazette Seminar ruft alle Interessierten dazu auf, Motive und Metaphern des Fluiden zu sammeln und mit Hinweis auf Quelle und Entstehungszeit einzusenden (info[at]berlinergazette.de). Erwünscht sind sowohl Text- als auch Bildbeispiele. Die Einsendungen werden an dieser Stelle präsentiert und im digitalen Mini-Feuilleton berlinergazette.de analysiert. Untenstehend folgen ein paar Motive, die das mögliche Spektrum andeuten sollen.

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